Zweck/Ziel (Kurzgeschichte)

Göncruszka liegt im Nordosten Ungarns, wo neben hoher Arbeitslosigkeit und Mangel an Arbeitsplätzen eine tiefe Armut herrscht.

Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung sind Roma (z.B. in Nachbardorf Vilmány, das zur Kirchgemeinde Göncruszka gehört, ca. 85% ), die in oft sehr baufälligen Häusern wohnen, von Sozialhilfe leben und grosse Familien haben – so erhalten sie Kindergeld vom Staat. Jugendliche besuchen nach den 8 Pflichtschuljahren weiterführende Schulen mit Schülerwohnheim, die sich in grösseren Städten wie Miskolc befinden. Zum Studieren gehen sie meist noch weiter nach Westen – und sie werden auch nicht mehr zurückkommen. Wer keine weiterführende Schule besucht, bleibt meist ohne Arbeit und landet in der Sozialhilfe.

Zunehmend ziehen auch Familien mit Kindern weg (2016 immerhin 4% der Gesamtbevölkerung Ungarns) – kleine Dörfer müssen ihre Schulen schliessen.

… das war auch in Göncruszkka so. Zurück bleiben alte Menschen (meist Witwen) und kleine Kirchgemeinden wie z.B.die reformierte Kirchgemeinde Göncruszka. 2017 zählte sie 87 Mitglieder.

Um in dieser von der Regierung schon (fast) aufgegebenen Region Zukunftsperspektiven zu schaffen und Familien zum Bleiben zu ermutigen, gründete die ref. Kirchgemeinde Göncruszka im September 2011 ihre Grundschule „Talentum“, damals mit einer ersten und einer zweiten Klasse und insgesamt 16 Kindern.

Schule 1

2011 konnte Talentum eröffnen, weil die Kirchgemeinde das ehemalige Schulgebäude im Baurecht für 99 Jahre von der Gemeindeverwaltung Göncruszka übernehmen konnte. Die ersten 3 Schulzimmer wurden mit viel Freiwilligenarbeit fertiggestellt.

schule 2

Ein nächstes Schulzimmer:   noch nicht eingerichtet…..

 schule 3

Von Anfang an dabei sind Pfarrehepaar Levente und Zuszsa Sohajda

schule 4

schule 5

Jedes Schuljahr kam eine weitere Klassenstufe dazu – Ende Schuljahr 2018 wird die erste 8.Klasse ihre Schulzeit abschliessen, die 2011 als Zweitklässler anfingen. Inzwischen besuchen 180 Kinder die Schule Talentum in 8 Klassen.

Seit 3 Jahren wurde noch ein Kindergarten eröffnet – mit rund 40 Kindern. 8.00 – 15.30 Uhr sind die Kinder ab 3 Jahren dort.

Drei Dinge waren immer ganz wichtig für Talentum:

  1. Integrative Schulung:

Grundsätzlich sind 1/3 der Kinder sind Roma, 1/3 Pflegekinder, 1/3 Bauernkinder.

Wenn man bedenkt, dass in Ungarn oft „schwarze“ Schule mit fast ausschliesslich Roma und „weisse“ Schulen ohne Roma existieren, so ahnt man, wie wichtig – und damals einmalig – dieser Grundsatz ist. Viel Kopfschütteln und „das wird nicht gehen“ begleitete die Schulgründung – der Erfolg heute beweist, dass es geht!

  1. Begabungen der Kinder fördern

durch Zusatzprogramme wie Musik, Tanzen, Thai Boxen, Fussball, Reiten usw.

  1. Lernen fürs Leben:

Der Schülergarten soll Kenntnisse in Gemüseanbau vermitteln, das Mitarbeiten in der Kirchgemeindeeigenen Imkerei vermittelt Kenntnisse zur Bienenzucht. Religionsunterricht, Familiengottesdienste, Andachten schaffen Beheimatung im christlichen Glauben.

Schule und Kindergarten bieten 3 Mahlzeiten/Tag für alle Kinder an: Neben Mittagessen auch Znüni und Zvieri. Für manche Kinder sind das die einzigen Mahlzeiten. Und noch ein Anliegen steht hinter diesen gemeinsamen Mahlzeiten: Bei allen sozialen Unterscheiden im Leben sollen alle Kinder dasselbe zu essen erhalten.

Herausfordernde Raumentwicklung

Von 11 Kindern zu 180 – das bedeutet mehr Räume. Seit 2011 wird gebaut … jetzt eben wurde wieder ein Anbau an die Schule begonnen, der z.B. die anfänglichen 8 WCs erweitern wird und auch dringend nötige zusätzliche Schulzimmer bringt.

schule 6

Neu nimmt Talentum auch behinderte Kinder auf, die eine besondere Betreuung benötigen und die in staatlichen Schulen abgewiesen wurden.

Schulbus

Jeden Morgen fährt der Talentum-Schulbus, gefahren von einem Freiwilligen der Kirchgemeinde, seine Tour durch 23 Dörfer der Umgebung und sammelt die Kinder. Um 16.00 Uhr werden sie wieder sicher zurückgebracht. Kostenlos – und so können auch arme Familien ihre Kinder in die Schule schicken.

schule 7

Finanziert wird vieles in der Schule über Erlöse aus der Imkerei.